Neue Schule – keine Bücher, keine Lehrer: Eine Stellungnahme

In der WZ vom 27.09 2016 ist ein großformatiger Artikel mit dem genannten Artikel zu lesen gewesen (http://www.wz.de/lokales/wuppertal/neue-schule-keine-buecher-keine-lehrer-1.2283073). Vieles in diesem Artikel ist vollkommen falsch recherchiert oder auch in völlig falschem Zusammenhang dargestellt worden. Dieser Artikel war natürlich auch Thema unserer Schulkonferenz in der letzten Woche. Dort wurde entschieden, dass die Schulleitung für das Kollegium, gemeinsam mit der Eltern- und Schülervertretung eine Stellungnahme formuliert, damit nicht aus einer völlig falschen Nachricht eine vermeintliche Wahrheit wird, nur weil niemand für eine Richtigstellung gesorgt hat. Auf die Möglichkeit einer Gegendarstellung haben wir bewusst verzichtet, weil dies u.E. nicht zielführend ist.

…im Artikel steht: …wahr ist:
Das großformatige Foto ist unterschrieben mit:

Neben Lehrern fehlen an der Gesamtschule Uellendahl-Katernberg auch Lehrmittel.

DIeses Foto ist nicht an der GE Uellendahl-Katernberg entstanden. Es zeigt keine Schüler_innen der Schule, keine Einrichtung und auch keines der abgebildeten Bücher ist eines der eingeführten Lehrwerke an unserer Schule.
In der Überschrift heißt es:

Neue Schule – keine Bücher, keine Lehrer

Das einzige Stilmittel, dass hier erkennbar ist, wäre das der maßlosen Übertreibung. Doch auch hierfür fehlt der wahre Kern.

An der GE Uellendahl-Katernberg arbeiten derzeit 54 Lehrerinnen und Lehrer.

Tatsächlich sind mittlerweile von 7 ausgeschriebenen Stellen für das Lehramt HS/RS/GE nur 2 besetzt worden. 4,5 Stellen wurden aber durch Abordnung der anderen Wuppertaler Gesamtschulen ergänzt. Zudem ist die Nichtbesetzung dieser Stellen kein Phänomen der GE Uellendahl-Katernberg, sondern trifft alle Schulen (siehe die korrekte und treffende Aussage von Helga Krüger weiter unten im Artikel).

Ich versichere gerne, dass es auch Bücher an unserer Schule gibt.

Im Infotext des Druckartikels heißt es:

DIe Gesamtschule ist mit einer Depandance am Röttgen geplant.

Nach Beschluss des Rates vom 02.05.2016 wird der gesamte Bau der GE Uellendahl-Katernberg an der Kruppstraße 145 vollzogen. Somit wird es keine Depandance am Röttgen geben.

https://www.wuppertal.de/rathaus/onlinedienste/ris/vo0051.php?__kvonr=17949

Eltern beklagen… Bisher sind Eltern in erster Linie ob des Inhaltes des Artikels verwundert. Klagen werden nur über den Inhalt des Artikels laut. In sofern liegt nahe, dass es sich bei „Eltern“ um eine Einzelmeinung handelt.
Die Gesamtschule Uellendahl-Katernberg ist noch gar nicht ausgewachsen. Doch obwohl sie noch in den Kinderschuhen steckt, wachsen mit ihr Schwierigkeiten. Die Darstellung indiziert, dass mit weiterem Wachsen der Schule auch noch weitere und größere Schwierigkeiten entstehen würden. Mit objektiver Berichterstattung hat diese Formulierung u. E. nichts zu tun.
„Es ist kein Geheimnis, dass die Stundenpläne nur bis 15 statt bis 16 Uhr reichen. Wir haben gesagt bekommen, dass sei im Rahmen der Vorgaben und zum Wohle der Kinder“, berichtet eine Mutter. Die Schule habe weniger Lehrer eingestellt, weil derzeit keine zur Verfügung stünden. „Dann lässt sich eben auch weniger anbieten.“ In einem umfangreichen demokratischen Akt unter maximaler Beteiligung der Eltern, Schüler_innen und Kolleg_innen hat die Schulkonferenz der GE Uellendahl-Katernberg entschieden, das Stundenraster zu ändern. Hierdurch fallen Pausenzeiten weg, Unterrichtsstunden können effizienter in den Wochenplan eingebaut werden. Die Summe der Unterrichtsstunden ist dabei die gleiche wie im letzen Jahr und entspricht tatsächlich wie im Text beschrieben den Vorgaben und übertrifft diese stellenweise sogar.

Dennoch wird an einigen Tagen Unterricht immer noch bis 16:00 Uhr angeboten, wenn nicht anders machbar oder wenn das Kind eine freiwillige AG belegt. Es kam nämlich von vielen Eltern die Rückmeldung, dass Sie ein Unterrichtsende spätestens um 15:00 Uhr begrüßen, weil die Kinder dann noch stressfrei ihren „Verpflichtungen“ in Sport- und kulturellen Vereinen nachkommen können. Durch das dienstägliche Unterrichtsende um 13:00 Uhr ist auch die stressfreie Teilnahme am Katjumänen und Konfirmandenunterricht möglich.

Zumal neben den Lehrern auch Lehrmittel fehlen. „Die Bücher sind alle neu, aber sie müssen auch erst beschafft werden. Aktuell stehen in manchen Fächern nur 20 Bücher für 30 Schüler zur Verfügung“, berichtet eine Mutter. Wie an allen anderen Gesamtschulen auch wird an unserer Schule das Prinzip einer Präsenzbibliothek verwirklicht. Da es grundsätzlich keine Hausaufgaben gibt, müssen auch keine Bücher nach Hause mitgenommen werden. Lediglich für die Kernfächer Mathematik und v.a. Englisch gilt dieses Prinzip nicht.
Die Stadt ist dagegen nur für die Gebäude, nicht aber für Bücher und Lehrmaterial zuständig. Schulgesetz (SchG) §96 Lernmittelfreiheit

„(1) Den Schülerinnen und Schülern der öffentlichen Schulen und Ersatzschulen werden vom Schulträger nach Maßgabe eines Durchschnittsbetrages abzüglich eines Eigenanteils von der Schule eingeführte Lernmittel gemäß § 30 zum befristeten Gebrauch unentgeltlich überlassen.

Vereinfacht heißt dies: Die Stadt ist für Bücher und Lehrmaterial zuständig!

Der Schulleiter stand gestern für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung. Die Sprachwahl indiziert u.E., der Schulleiter habe nicht zur Verfügung stehen wollen. Tatsächlich gab es von Frau Schroller den Versuch, den Schulleiter gegen 10:00 Uhr zu erreichen. Gegen 13:00 versuchte der Schulleiter seinerseits Frau Schroller zu erreichen, was ebenfalls missglückte. Man könnte den Satz also auch formulieren:

Für eine Entgegennahme der Stellungnahme des Schulleiters stand die Autorin gestern nicht zur Verfügung.

7 Gedanken zu „Neue Schule – keine Bücher, keine Lehrer: Eine Stellungnahme

  1. Ralf H. Pätzig

    Doch, lieber Herr Wendel,
    Eine Gegendarstellung sollte sein.
    Leider gehört auch die WZ zu den Zeitungen, die gerne ihre vorgefassten Meinungen resp. Vorurteile in ihren Artikeln zu zementieren versuchen. Habe ich selber schon öfter erfahren. Das integrative Familienzentrum, für das ich drei Jahre im Vorstand gewesen bin, wurde auch falsch dargestellt und zitiert. Wir haben eine Gegendarstellung in Form eines Leserbriefes erreicht.
    Ihr hervorragender Artikel oben (die Gegenüberstellung erinnert mich an die „Übersetzung“ Hegels in Karl Poppers „Offene Gesellschaft und ihre Feinde“) gehört in eine Mail und die an die WZ gesendet.
    Alleine um denen, die Ihnen Ihren Erfolg neiden zu zeigen, dass deren Stänkerei sinnfrei ist.
    Herzliche Grüße
    Ralf H. Pätzig

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  2. Jeanette Grün

    Hallo Herr Wendel,

    wie mein Vorredner, finde auch ich, sollte eine Gegendarstellung unbedingt sein!

    Mein Sohn und ich, haben uns allerdings sehr über den Teaser auf Seite 1 amüsiert:

    „Keine Bücher und kleine Lehrer“

    Bitte achten Sie mehr auf Körpergröße!
    Ein Hallelujah an das Lektorat! ; )

    Beste Grüße
    Jeanette Grün

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  3. Claudia Scholz

    Kann mich nur anschließen !!!
    Ihre detaillierte Gegendarstellung sollte auch den Lesern der WZ zugänglich sein.
    Vorurteile , auf Grund von falschen Informationen, verfestigen sich nur zu schnell in den Köpfen und werden weiter vermittelt.

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    1. Dagmar Fährmann

      Danke für diese Stellungnahme, Herr Wendel – sie spricht mir aus dem Herzen! Habe mich sehr über den WZ-Artikel geärgert – und auch gelacht über die „kleinen Lehrer“!
      Vielleicht sollte man die Gegendarstellung in der „Rundschau“ veröffentlichen? Die zeichnet sich doch zumindest als ganz solides, unparteiisches Blättchen aus und eine Stellungnahme landet nicht bei den Leserbriefen unten rechts!

      Viele freundliche Grüße
      Dagmar Fährmann

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  4. Cornelia Streich

    Lieber Herr Wendel, liebes Kollegium,

    eine Stellungnahme ( keine Gegendarstellung, da bin ich Ihrer Meinung) gemeinsam von Lehrern, Eltern und Schülern finde ich sehr wichtig.
    Ich selber habe auch ab und zu mit der Presse zu tun und das,was sie beschreiben, falsche Zusammenhänge, ungenaue Recherche ist leider kein Einzelfall.
    Eine Stellungnahme finde ich richtig, da es eine Darstellungsform ist, eine Meinungsäußerung, die neben dem geschriebenen Artikel steht. Eine Gegendarstellung bekommt leicht den Geschmack einer Rechtfertigung oder sogar einer Konfrontation. Das wäre sicherlich nicht hilfreich.
    Freundliche Grüße
    Cornelia Streich

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  5. B.

    Hallo Herr Wendel,
    wir möchten uns der Meinung unserer „Vorgänger“ anschließen und finden ebenfalls, dass eine Gegendarstellung/Klarstellung/Stellungnahme gegenüber der WZ zu dem Artikel erfolgen sollte, der in weiten Teilen ein negativ verzerrendes Bild von der Gesamtschule Katernberg produziert.
    Ein Artikel mit einer mehr oder minder unterschwellig abwertenden Kernaussage, der zudem – wie Ihrer Gegenüberstellung klar zu entnehmen ist – in mehreren Punkten falsch bzw. schlampig recherchiert, tendenziöse Fehlinformationen enthält, bleibt allzu schnell in den Köpfen vieler Leser hängen, frei nach dem Prinzip: „wenn es in der Zeitung steht, dem wird es doch wahr sein“.
    Eine ausschließlich interne Klarstellung, wie sie bislang erfolgt, erreicht im besten Fall die Eltern, die sich für die Schule über deren Internetseite interessieren oder sich für ein Email-Abo registriert haben. Uns scheint es erforderlich, dass Sie mit der Richtigstellung auch die potenziell“ zukünftigen“ neuen Eltern erreichen. Gerade bei den Eltern, die in den nächsten Jahren vor der Entscheidung stehen werden, ob sie ihr Kind nach der Grundschule der „jungen und noch im Wachsen begriffenden“ Gesamtschule Karternberg anvertrauen wollen, sollte verhindert werden, dass durch diesen die Schule wahrlich nicht in ein positives Licht darstellenden Artikel eine negative Voreingenommenheit entsteht, die möglicherweise auch durch engagierte Informationstage/Tage der offenen Tür nicht (mehr) aufgebrochen wird.
    Ziel sollte es doch sein, dass aus dieser Gesamtschule einmal eine möglichst gemischte Gesamtschule wird (im Idealfall ein Drittel „Hauptschüler“, ein Drittel „Realschüler“, ein Drittel „Gymnasialschüler“). Damit man auch die Eltern der leistungsstarken Kinder anspricht, sollten Sie/wir darauf achten, dass der Ruf der Schule nicht schon in ihren Anfängen von solch falschen, wahrheitswidrigen Zeitungsartikeln beschädigt wird.

    Mit freundlichen Grüßen

    B.

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  6. Happyhap

    Ich fände einen entsprechenden Bericht ebenfalls lohnend und dies keineswegs als Leserbrief!
    Falls tatsächlich Journalisten bei der WZ sein sollten, wird es auch gedruckt…
    Wie die Vorschreibenden schon richtig schrieben: Die Menschen denken viel zu wenig selber, bzw. hinterfragen (ist ja auch genau so gewollt in diesem System ;D ).
    Auch wenn ich mit vielen Dingen an der Schule sehr kritisch und wenig angefreundet bin, so finde ich es wichtig „die andere Seite“ darzulegen!!! Nur so ist eine wahrhaftige Meinungsbildung möglich – es ist Ihre Pflicht das zu tun!
    Es sei denn, es gibt schon andere Pläne für diese Schule…grins, duck und wech!

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